
Erasmus+ in Südtirol: Zu Gast am Berufsbildungszentrum Bruneck
Holz hat in Südtirol Tradition. Zwischen Dolomiten und Pustertal prägt der Baustoff nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch eine starke Branche: Vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum international tätigen Holzbauunternehmen ist das Zimmererhandwerk in der Region fest verwurzelt. Grund genug für die Karl-Arnold-Schule, sich einmal genauer anzusehen, wie dort ausgebildet wird.
Im Rahmen des Erasmus+ Programms reisten vom 28.09. – 3.10.26 fünf Lehrkräfte der Bauabteilung an das Berufsbildungszentrum Bruneck im Pustertal: Herr Döring, Herr Eisele, Herr Leicht, Herr Willi und Frau Woitun. Ziel der Lehrkräftemobilität war es, das Südtiroler Berufsbildungssystem kennenzulernen, Einblicke in den Unterricht der Zimmerer-Klassen zu gewinnen und den fachlichen Austausch mit den Kollegen vor Ort aufzubauen.
Im Mittelpunkt standen Hospitationen in den Zimmerer-Klassen. Im Praxisunterricht in der Werkstatt, im EDV-Unterricht und in der Demokratiebildung konnte die Gruppe miterleben, wie handwerkliche, digitale und gesellschaftliche Bildung in Bruneck umgesetzt wird. In vielen Gesprächen mit den Fachlehrkräften ging es um Bildungsinhalte, Ausbildungsstrukturen und die Besonderheiten des Südtiroler Bildungssystems. Das Berufsbildungszentrum Bruneck ist die einzige Ausbildungsstätte für Zimmerer in ganz Italien. Besonders beeindruckt hat die Ruhe und Empathie, mit der die Lehrkräfte ihren Schülern begegnen und die spürbar zur Lernatmosphäre beiträgt.
Wie vielfältig das Zimmererhandwerk heute ist, zeigten zwei Betriebsbesichtigungen. Bei RUBNER Ingenieurholzbau in Brixen ließ sich nachvollziehen, wie große Holztragwerke industriell geplant und gefertigt werden. RUBNER ist international tätig und hat sogar das zur Zeit größte Holztragwerk der Welt in Sidney gefertigt. Einen ganz anderen Einblick bot die Zimmerei Mutschlechner in Olang. Auch hier wurden die Gäste herzlich empfangen, und es wurde deutlich, wie selbstverständlich in Südtirol Tradition und Innovation miteinander in Einklang gebracht werden. Das traditionelle Zimmererhandwerk wird hier gepflegt und weitergegeben, ohne den Anschluss an moderne Technik zu verlieren.
Auch Kultur gehörte zum Programm. Die Messner Mountain Museen Ripa auf Schloss Bruneck und Corones auf dem Kronplatz verbanden Bergwelt, Kultur und eindrucksvolle Architektur. Ein Besuch des Museion, des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen, rundete die Woche ab.
Was bleibt? Wertvolle Kontakte zu engagierten Kollegen und die Erkenntnis, dass auch mit weniger Stoff- und Prüfungsdruck eine hohe handwerkliche und menschliche Kompetenz entstehen kann und dass Tradition und Innovation im Handwerk kein Widerspruch sind. Ein herzliches Dankeschön an das Berufsbildungszentrum Bruneck für die großartige Gastfreundschaft. Wir hoffen, unsere Südtiroler Kollegen schon bald zu einem Gegenbesuch in Biberach begrüßen zu dürfen. Für weitere Bilder folgt uns gerne auf Instagram (kas.biberach).
Eva Woitun